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Pressemitteilung: Keine neuen Steuern für musikalische Bildung:

Pressemitteilung |
Keine neuen Steuern fĂŒr musikalische Bildung: gemeinsame Stellungnahme von DMR, VdM, DTKV und bdfm verabschiedet

Am vergangenen Sonnabend, 19. Oktober, haben die Vertreterinnen und Vertreter der rund 100 MitgliedsverbĂ€nde des Deutschen Musikrates (DMR) auf der Mitgliederversammlung 2019 die gemeinsame Stellungnahme „Keine neuen Steuern fĂŒr musikalische Bildungsangebote durch willkĂŒrliche VerkĂŒrzung der Umsatzsteuerbefreiung!“ des Deutschen Musikrates (DMR) und seiner MitgliedsverbĂ€nde Verband deutscher Musikschulen (VdM), Deutscher TonkĂŒnstlerverband (DTKV) und Bundesverband der Freien Musikschulen (bdfm) einstimmig verabschiedet.
Hierzu Prof. Christian Höppner, GeneralsekretĂ€r des Deutschen Musikrates: „Der Deutsche Musikrat und seine MitgliedsverbĂ€nde fordern von der Bundesregierung und den Bundestagsfraktionen eine verbindliche Klarstellung im Gesetzestext, die barrierefreie BildungszugĂ€nge zu den Angeboten von öffentlichen wie privaten Musikschulen auch kĂŒnftig gewĂ€hrleistet. Die Umsetzung von Artikel 132 der EU-Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie darf nicht zu neuen Bildungsschranken fĂŒhren, die gesamtgesellschaftliche Ziele wie ‚Bildung fĂŒr alle‘ und ‚kulturelle Teilhabe‘ gefĂ€hrden.“
Anlass fĂŒr die Stellungnahme ist der von der Bundesregierung vorgelegte „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der ElektromobilitĂ€t und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ Drucksache 19/13426, der die Umsetzung des Artikels 132 i.) der europĂ€ischen Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie in nationales Recht und damit eine Neuregelung der Umsatzsteuerbefreiung fĂŒr Bildungsdienstleistungen vorsieht. Auch musikalische Bildungsangebote könnten danach kĂŒnftig von zusĂ€tzlichen Steuerbelastungen betroffen sein.
Berlin, 21. Oktober 2019

 


Keine neuen Steuern fĂŒr musikalische Bildungsangebote durch willkĂŒrliche VerkĂŒrzung der Umsatzsteuerbefreiung!

Die Umsetzung von Art. 132 der EU-Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie darf nicht zu neuen Bildungsschranken fĂŒhren – der Deutsche Musikrat fordert von der Bundesregierung und den Bundestagsfraktionen verbindliche Klarstellung im Gesetzestext.
Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates fordert die Bundesregierung und die Fraktionen im Deutschen Bundestag auf, alle Möglichkeiten der Sicherung von BildungszugĂ€ngen durch SteuerbegĂŒnstigung auszuschöpfen und dies im Gesetz durch Übernahme des vollstĂ€ndigen Textes des Art. 132 i) EU-MwStSystRL festzuschreiben.


BegrĂŒndung

Der „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der ElektromobilitĂ€t und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ Drucksache 19/13436 der Bundesregierung beabsichtigt die Umsetzung des Artikels 132 i.) der europĂ€ischen Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (MwStSystRL) in nationales Recht unter weitgehender inhaltlicher Beibehaltung der bisherigen Regelungen zu Umsatzsteuer-Befreiung. Diese Absicht wird jedoch konterkariert durch die vermeidbare und nicht nachvollziehbare EngfĂŒhrung der Befreiung im Gesetzestext lediglich auf Schul- und Hochschulunterricht. Diese EngfĂŒhrung blendet die in Art. 132 i.) formulierten BefreiungstatbestĂ€nde der „Erziehung von Kindern und Jugendlichen“ sowie der „Aus- und Fortbildung“ aus bzw. verschiebt diese in die nachrangige und ungesicherte Ebene eines Anwendungserlasses und nutzt damit unverstĂ€ndlicherweise nicht die vorhandenen SpielrĂ€ume nationaler Regelungskompetenz zur Sicherung barrierearmer BildungszugĂ€nge.
In Art. 132 i.) heißt es zu den BefreiungstatbestĂ€nden: „Erziehung von Kindern und Jugendlichen, Schul- und Hochschulunterricht, Aus- und Fortbildung sowie berufliche Umschulung und damit eng verbundene Dienstleistungen und Lieferungen von GegenstĂ€nden durch Einrichtungen des öffentlichen Rechts, die mit solchen Aufgaben betraut sind, oder andere Einrichtungen mit von dem betreffenden Mitgliedstaat anerkannter vergleichbarer Zielsetzung.“
Die BildungszugĂ€nge zu den Angeboten von öffentlichen wie privaten Musikschulen mit rund zwei Millionen Kindern und Jugendlichen und zu den freiberuflichen Musikerzieherinnen und Musikerziehern sowie zu den Instituten der Fort- und Weiterbildung (Bundes- und Landesakademien) werden durch diese VerkĂŒrzung mittels willkĂŒrlicher Herausnahme von europarechtskonform begĂŒnstigten Bereichen des Gemeinwohls aus dem Art. 132 MwStSystRL im vorliegenden Gesetzentwurf mutwillig der Verteuerung ausgesetzt - und dies, obwohl sich der Bundesrat ebenso wie die Kommunalen SpitzenverbĂ€nde und die relevanten Organisationen der Zivilgesellschaft einhellig gegen die im Regierungsentwurfmbeabsichtigte EngfĂŒhrung und fĂŒr die Sicherung der bisherigen BefreiungstatbestĂ€nde ausgesprochen haben.
FĂŒr die BefreiungstatbestĂ€nde sollte zukĂŒnftig einheitlich fĂŒr die ganze Bundesrepublik eine fach- und sachkundige Stelle eingerichtet werden, bei der die fachliche Expertise hinsichtlich der QualitĂ€tssicherung zum Tragen kommt.
Berlin, 17. Oktober 2019

 

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Trauer um Rainer Mehlig, den langjährigen Bundesgeschäftsführer und Ehrenmitglied des Verbandes deutscher Musikschulen

Der Verband deutscher Musikschulen trauert um Rainer Mehlig, der am 15. Oktober 2019  im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

 

 
Rainer Mehlig. Foto: VdM

Von 1971 bis 2005 war Rainer Mehlig der erste hauptamtliche BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM). In dieser Zeit wuchs der Fach- und TrĂ€gerverband der öffentlichen Musikschulen in Deutschland von weniger als 300 auf ĂŒber 930 Mitgliedschulen an.

 

FĂŒr seine jahrzehntelangen herausragenden persönlichen Leistungen und Verdienste um die kulturelle Bildung, insbesondere die musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen, wurde Rainer Mehlig 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der VdM ernannte ihn 2005 zu seinem Ehrenmitglied.

 

Zusammen mit dem damaligen VdM-Vorsitzenden und Bonner Musikschuldirektor Diethard Wucher baute Rainer Mehlig eine professionelle Verbandsarbeit auf und ĂŒbernahm damit tragende Verantwortung fĂŒr alle Musikschulen in Deutschland. 1971 organisierte und fĂŒhrte er auch den ersten Musikschulkongress des VdM in Berlin durch, der seitdem als einer der grĂ¶ĂŸten Bildungskongresse alle zwei Jahre in wechselnden StĂ€dten Deutschlands stattfindet.

 

1973 Mitinitiator der EuropĂ€ischen Musikschul-Union (EMU) und bis 1977 deren ehrenamtlicher GeneralsekretĂ€r, vertrat Rainer Mehlig bis 2005 als Delegierter des VdM die Interessen der öffentlichen Musikschulen in Deutschland bei der EMU. 1985 erstellte er als organisatorischer Leiter die Konzeption fĂŒr das erste „EuropĂ€ische Musikfest der Jugend“ in MĂŒnchen, an dem 9.000 junge Menschen aus 23 europĂ€ischen LĂ€ndern und GĂ€ste aus den USA teilnahmen.

 

In den 34 Jahren als BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des VdM trug Rainer Mehlig maßgeblich zur Sicherung der öffentlichen Musikschulen und zum Aufbau weiterer Musikschulen bei, beriet MusikschultrĂ€ger, entwickelte Fortbildungsprogramme wie etwa den Berufsbegleitenden Lehrgang „FĂŒhrung und Leitung einer Musikschule“ und die Richtlinien zur EinfĂŒhrung der Studienvorbereitenden Ausbildung an Musikschulen. Ebenso war er fĂŒr das damals bahnbrechende Curriculum „Musikalische FrĂŒherziehung“  und zahlreiche Modellversuche wie „Gruppenunterricht“, „Arbeit mit Behinderten“, „Interkulturelles Lernen“ oder „Musikalische Erwachsenenbildung“ verantwortlich.

 

WĂ€hrend seiner AmtsfĂŒhrung wurde der Medienpreis LEOPOLD – „Gute Musik fĂŒr Kinder“ ins Leben gerufen, der seit 1997 alle zwei Jahre zusammen mit dem Bundesjugendministerium verliehen wird, sowie das QualitĂ€tsmanagement an Musikschulen mit dem „QualitĂ€tssystem Musikschulen – QsM“ und dem „Interkommunalen Leistungsvergleich EDuR“ vorangetrieben. Unter Rainer Mehligs Leitung wurde der VdM zudem internationale Zentralstelle fĂŒr das Bundesjugendministerium und fördert seitdem mit Globalmitteln aus dem Kinder- und Jugendplan den internationalen Jugendaustausch von Musikschulensembles.

 

Mit großem Einsatz unterstĂŒtzte Rainer Mehlig 1990 zusammen mit Diethard Wucher und dem ihm nachfolgenden VdM-Vorsitzenden, Reinhart von Gutzeit, die DDR-Musikschulen bei der GrĂŒndung des Verbandes der Musikschulen der DDR. Unter FĂŒhrung ihres Vorsitzenden Ulrich Marckardt traten im selben Jahr die DDR-Musikschulen dem VdM bei, vereinigt zu einem gesamtdeutschen Verband.

 

Im Zuge der Wiedervereinigung ĂŒbernahm der VdM 1991 die TrĂ€gerschaft des „Rundfunk-Musikschulorchesters“ der ehemaligen DDR als „Deutsches Musikschulorchester“, die heutige Deutsche Streicherphilharmonie. Dieses jĂŒngste Bundesauswahlorchester und Spitzenensemble der Musikschulen, das ihn zu seinem Ehrenmitglied ernannt hatte, war Rainer Mehlig immer ein großes Anliegen. Bis zuletzt blieb er den jungen Musikerinnen und Musikern auch im Förderverein der Deutschen Streicherphilharmonie eng verbunden.

 

Daneben engagierte sich Rainer Mehlig im Vorstand der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, im TrĂ€gerverein der Akademie Remscheid und mehr als zwei Jahrzehnte im Hauptausschuss „Jugend musiziert“ sowie als Juryvorsitzender ebenso wie im Hauptausschuss „Deutscher Chorwettbewerb“ des Deutschen Musikrates.

 

Im Zentrum seines Engagements stand fĂŒr Rainer Mehlig immer, das Netzwerk des Verbandes und des Musiklebens zu pflegen, national und international die Musikschulen zu prĂ€sentieren und unermĂŒdlich fĂŒr diese Idee zu werben und einzutreten.

 

Rainer Mehlig, dessen einflussreiches und prÀgendes Wirken wir in dankbarer und lebendiger Erinnerung behalten, wird dem VdM sehr fehlen.

Ehrenpreis LEOPOLD für Sylvia Schmeck

Bei der Verleihung des Medienpreises LEOPOLD 2019/2020 am 27. September 2019 im WDR-Funkhaus, Köln, zeichnete der Verband deutscher Musikschulen (VdM) sieben Produktionen mit dem begehrten Medienpreis LEOPOLD aus, dem GĂŒtesiegel des VdM fĂŒr besonders „gute Musik fĂŒr Kinder“.

Am Ende der Preisverleihung stand auf dem Podest der BĂŒhne aber noch eine LEOPOLD-Figurine. Diese war einer besonderen Ehrung vorbehalten: Ein LEOPOLD sozusagen außer Konkurrenz fĂŒr Sylvia Schmeck, Leiterin des BĂŒros der WDR 3-Programmleitung und des Kulturbeauftragten des Intendanten.

 

 

Dr. Hendrike Rossel, Projektleiterin des Medienpreises LEOPOLD (rechts),

und VdM-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias Pannes ĂŒberreichten Sylvia

Schmeck den Ehrenpreis LEOPOLD. Foto: WDR/Claus Langer

Hendrike Rossel, Projektleiterin des Medienpreises LEOPOLD, hob in ihrer Laudatio die besonderen Verdienste Sylvia Schmecks um den Medienpreises LEOPOLD hervor: „Last, but first: Die FĂ€den laufen alle zusammen in einer Person, die sich fĂŒr diesen LEOPOLD im Grunde genauso verantwortlich fĂŒhlt wie wir als austragender Verband. Es ist eine Person, die immer mitdenkt, die immer mitplant, die jederzeit ein offenes Ohr fĂŒr unsere WĂŒnsche hat und die ich in all diesen vielen Jahren als absolut zuverlĂ€ssige und mir sehr lieb gewordene Kollegin habe kennenlernen dĂŒrfen“. Anschließend ĂŒberreichte sie Sylvia Schmeck zusammen mit VdM-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias Pannes die LEOPOLD-Figurine und die LEOPOLD-Urkunde.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht, kulturell gebildet zu werden

15 Euro pro Monat stehen Kindern in Hartz IV zu, damit sie beispielsweise Musikunterricht nehmen oder einen Sportverein besuchen können. Auch Klassenfahrten und Schulsachen können darĂŒber bezuschusst werden. Der ParitĂ€tische Gesamtverband legt in der aktuellen Studie „Empirische Befunde zum Bildungs- und Teilhabepaket: Teilhabequoten im Fokus“ allerdings alarmierende Zahlen vor: Weniger als 15 Prozent der bedĂŒrftigen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler unter 15 Jahren profitierten von diesen Leistungen. In der Folge wĂŒrden 85 Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Familien mit Anspruch auf die Teilhabeleistungen nicht erreicht. Die staatlichen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gegen Kinderarmut von 2011 verfehlen laut der Erhebung, die sich auf den Zeitraum August 2017 bis Juli 2018 bezieht, weitgehend ihr Ziel.


Der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband kritisierte, dass die Maßnahmen nicht geeignet seien, Kinderarmut zu bekĂ€mpfen, Teilhabe zu ermöglichen und Bildungsgerechtigkeit sicherzustellen. Stattdessen wird die EinfĂŒhrung eines Rechtsanspruchs auf Angebote der Jugendarbeit im Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie die EinfĂŒhrung einer bedarfsgerechten, einkommensabhĂ€ngigen Kindergrundsicherung gefordert.

Im Juli dieses Jahres trat das „Starke-Familien-Gesetz“ in Kraft, das die Hilfen des Bildungs- und Teilhabepakets erhöht: FĂŒr Schulmaterialien gibt es 150 statt 100 Euro, fĂŒr VereinsbeitrĂ€ge 15 statt 10 Euro im Monat. Inwiefern sich diese Reform positiv auf die Teilhabequoten auswirken, kann frĂŒhestens im kommenden Jahr erhoben werden.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Im zweiten Jahr in Folge sind die von der Forschungsstelle des ParitĂ€tischen Gesamtverbandes vorgelegten Befunde zum Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung Ă€ußerst alarmierend. Kinder aus einkommensschwachen Familien mĂŒssen dringend stĂ€rker unterstĂŒtzt werden. Der Zugang zur kultureller Bildung, z. B. in Form von Musikunterricht, außerhalb der Schule muss fĂŒr alle unabhĂ€ngig vom Einkommen der Eltern sichergestellt werden. Das Ziel muss es sein, bei der kulturellen Bildung endlich Teilhabegerechtigkeit zu erreichen. Alle Kinder und Jugendliche haben ein Recht, kulturell gebildet zu werden. Dieses Recht wird in unserem Land fundamental missachtet.“

 

Pressemeldung des Deutschen Kulturrates

 

Die Expertise der ParitÀtischen Forschungsstelle "Empirische Befunde zum Bildungs- und Teilhabepaket: Teilhabequoten im Fokus" ist hier als PDF-Datei  abrufbar: expertise-BuT-2019.pdf

 

Goldene Stimmgabel des VdM für Karl Karst

Mit der Goldenen Stimmgabel ehrt der Verband deutscher Musikschulen (VdM) Persönlichkeiten, die sich besonders verdient um den Verband gemacht haben. Karl Karst, Leiter des Kulturradios WDR3 und Vorsitzender der Initiative Hören, ist bei der Verleihung des 12. Medienpreises LEOPOLD am 27. September 2019 im WDR-Funkhaus mit der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet worden.

 

 
 

In seiner Rede sagte Ulrich Rademacher, Bundesvorsitzender des VdM: „Der Begriff Kulturpartner geht uns leicht ĂŒber die Lippen, meist im Zusammenhang mit WDR3 und Kultur-Institutionen im Lande. Du aber hast es geschafft, Dich auch als Person zum Kulturpartner zu machen. Du bist fĂŒr uns immer auch als Person Kulturpartner gewesen mit Deiner UnterstĂŒtzung fĂŒr den LEOPOLD. Aber auch mit Deinem „Baby“, der Initiative Hören. Denn Hören ist natĂŒrlich fĂŒr uns Musikschulen im VdM die Grundlage all unseres Tuns und fĂŒr alle Menschen Grundlage jeglicher Kommunikation. Dabei ist Hören zunĂ€chst einmal einfach nur Wahrnehmen, dann können wir lernen, der eigenen Wahrnehmung zu trauen, und schließlich - mit etwas GlĂŒck – dahin kommen, uns an der Wahrnehmung freuen. So wird man ĂŒbrigens ein mĂŒndiger BĂŒrger, der sich und seiner eigenen Wahrnehmung mehr traut, als denjenigen, die mitunter virtuos auf der Klaviatur unserer GefĂŒhle spielen, um uns gefĂŒgig zu machen.

 

Der VdM-Voristzende Prof. Ulrich Rademacher ĂŒberreicht WDR3-Wellenchef

Prof. Karl Karst die Goldene Stimmgabel des VdM. Foto: WDR/Claus Langer

Hören ist aber auch analysieren, Hören ist Teilen, Hören ist Erinnerung und damit auch IdentitĂ€t- spĂŒren. Das ist uns Musikschulleuten sehr nahe. Auf dieser Basis liegen nĂ€mlich Lust und Bewusstsein, liegen Spaß und Können sehr nahe beieinander“ und fuhr fort: „Lieber Karl, Du warst und bist uns mit Deinem Ermöglichen von so wichtigen und zukunftsweisenden Unternehmungen wie LEOPOLD, Deinem Eintreten fĂŒr das Hören – gerade auch der leisen Töne, der Untertöne –, mit Deinem Sinn fĂŒr QualitĂ€t ein wichtiger Partner, ein Kulturpartner eben. DafĂŒr hat der Bundesvorstand des Verbandes deutscher Musikschulen beschlossen, Dich mit unserer Goldenen Stimmgabel auszuzeichnen. An einer Stimmgabel orientieren sich unsere besten Musiker. Du hast mit Deiner Partnerschaft stets Orientierung gegeben. Kompliment und Dank Dir dafĂŒr.“

 

Karl Karst dankte in seiner Rede fĂŒr die ehrenvolle Auszeichnung mit der Goldenen Stimmgabel des Verbands deutscher Musikschulen und erklĂ€rte: „Die Bedeutung dieser Auszeichnung steht fĂŒr mich in direktem Bezug zur gesellschaftlichen Bedeutung der Arbeit der Musikschulen in Deutschland. Sie sind unersetzlich fĂŒr die musische Grundbildung der Kinder und Jugendlichen in unserem Land! Dabei geht es den Musikschulen traurigerweise genauso beschĂ€mend schlecht wie den KindertagesstĂ€tten in diesem Land. Ihre finanzielle Ausstattung und die Gehaltsstruktur ihrer Mitarbeiter stehen in krassem Gegensatz zum gesellschaftsweiten Rang dieser Institutionen. Ich halte es fĂŒr einen Skandal, dass es Kommunen gibt, in denen ĂŒber die Schließung von Musikschulen nachgedacht wird!“.

 

„Als vor rund zehn Jahren die Debatte um die Kulturhaushalte der Kommunen auf einem vorlĂ€ufigen Negativ-Höhepunkt angekommen war", so Karst, "sagte ich zur Eröffnung der Kölner TheaterNacht: ‚Wer Theater schließt, kann sicher sein, in die Annalen der Stadtgeschichte einzugehen, denn was in diesen Zeiten geschlossen wird, das wird sich nicht mehr wieder öffnen.‘ Gleiches gilt fĂŒr die Musikschulen in Deutschland. Sie bilden die Basis fĂŒr den musischen Grundunterricht in unserem Land, erschwinglich auch fĂŒr weniger gut Betuchte. Wer Musikschulen schließt, der trĂ€gt Mitverantwortung fĂŒr die geringere musische Bildung der zukĂŒnftigen Generationen. Wer Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit raubt, eine grundlegende musikalische Ausbildung zu erlangen, der trĂ€gt Mitverantwortung an der geistigen Verarmung unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, deren Populismus- und Rechtsdruck in direktem Zusammenhang steht mit mangelnder Bildung und falscher Ausbildung.“

 

Die ihm verliehene Goldene Stimmgabel des Verbands deutscher Musikschulen nehme er mit großer Freude und Dankbarkeit als WertschĂ€tzung der zurĂŒckliegenden 20 Jahre seiner Arbeit als Programmchef WDR 3 und die damit verbundene Schaffung der WDR 3 Kulturpartnerschaften an, die Veranstaltungen wie die Verleihung der LEOPOLD-Medienpreise erst möglich gemacht haben.

 

Die ganze Rede von Prof. Karl Karst finden Sie hier: Dankesworte von Prof. Karl Karst zur Verleihung der Goldenen Stimmgabel

Bitte beachten: Eingeschränkte Erreichbarkeit der VdM-Bundesgeschäftsstelle am 1. Oktober 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bitte beachten Sie, dass die VdM-BundesgeschÀftsstelle am Dienstag, 1. Oktober 2019, bis ca. 15:00 Uhr  telefonisch und per E-Mail nicht erreichbar ist, da aufgrund von Bauarbeiten der Strom abgestellt wird.

 

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

VdM-BundesgeschÀftsstelle

Die Gewinner des Medienpreises LEOPOLD ? Gute Musik für Kinder und des Sonderpreises LEOPOLD interaktiv

Am 27. September 2019 hat der Verband deutscher Musikschulen (VdM) zum zwölften Mal zusammen mit dem Bundesjugendministerium im WDR Funkhaus Köln den Medienpreis LEOPOLD verliehen. Zuvor hatte eine Expertenjury unter Vorsitz von Reinhart von Gutzeit aus ĂŒber 120 Bewerbungen 22 MusiktontrĂ€ger fĂŒr die Empfehlungsliste ausgewĂ€hlt. Sieben Produktionen sind nun mit dem begehrten Medienpreis LEOPOLD ausgezeichnet worden, dem GĂŒtesiegel des VdM fĂŒr besonders „gute Musik fĂŒr Kinder“.

 

 

Die PreistrÀger des Medienpreises LEOPOLD 2019/2020.

Foto: Heiderich/VdM

Die Gewinner des Medienpreises LEOPOLD 2019/2020 sind die CDs „Die kleine Hexe“ (Aktive Musik Verlagsgesellschaft/Igel Records), „Sonne, Mond und Abendstern – Die schönsten Lieder zur guten Nacht“ (Argon Verlag/ SauerlĂ€nder audio), „Schneeflocken“ (Edition SEE-IGEL – Ute Kleeberg und Uwe Stoffel), „Zwerg Nase – OrchestermĂ€rchen fĂŒr Sprecher und großes Orchester/ Das kalte Herz – KonzertouvertĂŒre“ (MBM Musikproduktion/ Coviello Classics),  „Tanz den Spatz – Kinderlieder“ (Oetinger Media), „Die Pecorinos – KĂ€se in New York. Ein Krimi-MĂ€usical“ (Panama-Records) und „MiloĆĄ und die verzauberte Klarinette – Ein MĂ€rchen ĂŒber einen Jungen, der mit seinem Instrument die Welt verĂ€nderte“ (Yxalag/ GermanPops Media).

 

Die Gewinner des neuen Sonderpreises LEOPOLD interaktiv 2019/2020 sind die Apps „BandDings – Ein Musik-Abenteuer“ (doDings), „KlangDings – Ein fröhliches Musikspiel“ (doDings) und „Tongo Musik App“ (Firstconcert Productions) sowie die Webseiten „WDR Klangkiste“ (WDR/ Hauptabteilung Orchester und Chor/ Programmbereich Internet).

 

Überreicht wurde der LEOPOLD durch den VdM-Vorsitzenden Ulrich Rademacher und Uta-Christina Biskup vom Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ulrich Rademacher sagte: „Auch beim bereits 12. Wettbewerb haben wir wieder Neues, Unerhörtes und einfach richtig gut Gemachtes auf dem Gebiet der Musikmedien fĂŒr Kinder mit dem Medienpreis LEOPOLD ausgezeichnet. Besonders freut es uns, dass wir außerdem in diesem Wettbewerbsjahr erstmals auch drei Musikapps und einer Webseite den neuen Sonderpreis LEOPOLD interaktiv verleihen können, fĂŒr den wir uns in zwei Jahren noch durchaus mehr Bewerbungen wĂŒnschen.“

 

Bundesjugendministerin Franziska Giffey hob in ihrem schriftlichen Grußwort die Bedeutung des Medienpreises LEOPOLD hervor: „Familienmitglieder, Erzieherinnen und Erzieher und Kitas finden durch den Medienpreis LEOPOLD eine gute Auswahl an Musikmaterialien. In diesem Jahr zeichnet der LEOPOLD zum ersten Mal Musik-Apps und Webseiten aus. Damit wird deutlich: Der Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen achtet auf aktuelle Entwicklungen. Er greift die Digitalisierung auf. Seit 1997 begleitet das Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Wettbewerb und sichert seine Grundfinanzierung. In diesem Zeitraum hat sich der Preis zu einer wichtigen Richtschnur im Musikbereich entwickelt. Er schaut hin, was Kinder mögen und brauchen. Er bietet Erwachsenen damit eine gute Orientierung.“

 

Bereits am Vormittag wurde im Rahmen des Jazzkrimi-Kinderkonzerts „Vom Blues zum Groove – die unglaubliche Geschichte des Duke Elligator“ (Konzeption: Barbara Overbeck und Stephan Schulze) mit dem JugendJazzOrchesters NRW  unter Leitung von Stephan Schulze und moderiert von Barbara Overbeck der Sonderpreis POLDI der Kinderjury ĂŒberreicht. Die Klasse 7cm des Humboldt-Gymnasiums Köln hat die CD „Die Geschichte vom kleinen SiebenschlĂ€fer, der nicht schlafen konnte – Ein Hörspiel mit 12 Liedern“ (Sabine Bohlmann/ Oetinger Media) damit ausgezeichnet. Diese Musikproduktion steht ebenfalls auf der Empfehlungsliste der Expertenjury.

 

Der Medienpreis LEOPOLD wird seit 1997 alle zwei Jahre vom Verband deutscher Musikschulen mit UnterstĂŒtzung des Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. Er gilt als eine der wichtigsten deutschen Auszeichnungen fĂŒr MusiktontrĂ€ger fĂŒr Kinder. Partner des LEOPOLD sind das Kulturradio WDR 3, die Initiative Hören und die Forschungsstelle Appmusik der UniversitĂ€t der KĂŒnste Berlin.

 

Weitere Information unter www.medienpreis-leopold.de.

 

Die PreistrÀger des Medienpreises LEOPOLD 2019/2020 mit Hörbeispielen unter https://www.musikschulen.de/projekte/leopold/leopold-2019/index.html

 

Die Liste der PreistrÀger: PreistrÀger Medienpreis LEOPOLD 2019/2020.

 

Pressekontakt:

Claudia Wanner

Pressesprecherin
Verband deutscher Musikschulen e.V.
Tel. 0228/95706-21
mobil 0171-7364487
presse( at )musikschulen.de
www.musikschulen.de

www.medienpreis-leopold.de

JEKISS in Dresden startet in die zweite Runde

Mit Beginn des neuen Schuljahres startete das Projekt JEKISS ("Jedem Kind seine Stimme") in die zweite Runde. An drei Dresdner Grundschulen wird inzwischen regelmĂ€ĂŸig und als ErgĂ€nzung zum wöchentlichen Musikunterricht gesungen. So ist es gelungen, an der 65., 82. und 135. Grundschule mit dem fĂŒr die Eltern kostenfreien Angebot JEKISS ein "sĂ€ngerisches" Pilotprojekt zu verankern.


Das in MĂŒnster entwickelte Konzept verfolgt das Ziel, Grundschulkinder unabhĂ€ngig vom Musikunterricht in fundierter Weise an Musik und das gemeinsame Musizieren heranzufĂŒhren. So werden die jungen SĂ€ngerinnen und SĂ€nger mit den verschiedenen Möglichkeiten ihrer Stimme vertraut gemacht, lernen eine Vielzahl nationaler und internationaler Lieder und werden durch die Schulung des Atems, der Stimme und Haltung in ihrem Körperbewusstsein gestĂ€rkt. Ferner festigt das gemeinsame Singen im Chor das Wir-GefĂŒhl und fördert durch die universelle Sprache der Musik den interkulturellen Dialog. Gesungen wird dabei auswendig, ohne Noten, was wiederum das GedĂ€chtnis der Kleinen schult und gleichzeitig FreirĂ€ume fĂŒr KreativitĂ€t und improvisierte Bewegungen schafft.


JEKISS-PĂ€dagogin Doreen Brand berichtet voller Begeisterung von ihren Erfahrungen: "Bei meinen Begegnungen mit den Grundschulschulkindern treffe ich stets auf ganz gespannte und singfreudige Kinder, die mit viel Bewegungslust und Spaß am Ausprobieren an der Stunde teilnahmen. Nach der Stunde sind sie singend durch das Schulhaus gelaufen. Was könnte fĂŒr eine Musiklehrerin schöner sein, als glĂŒckliche, singende Kinder."


Das Heinrich-SchĂŒtz-Konservatorium ist Teil des in Dresden gegrĂŒndeten "Netzwerkes Musikalische Nachwuchsförderung", das als ein Projekt im Rahmen der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt Europas 2025 das Ziel verfolgt, an allen Grundschulen zusĂ€tzliche musikpĂ€dagogische Angebote gebĂŒhrenfrei zu etablieren.

Musikunterricht macht das Gehirn flexibler

Die Neurowissenschaftlerin Daniela Sammer erforscht die Wirkung von Musik auf unser Gehirn. Positive Effekte fĂŒr rĂ€umliches Denken, Koordination und Motorik sind ebenso nachgewiesen, wie enge ZusammenhĂ€nge zwischen der Musik und dem Erlernen von Sprache.

MDR KULTUR-Autorin Felicitas Förster hat die Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut in Leipzig interviewt:

https://www.mdr.de/kultur/musik-lernen-kind-interview-100.html?fbclid=IwAR1_6d2OliOvRXWSxT_Zqkw0ALkCulfqQ4B89ejLmfnjUkcJCg01STCGIss.

Keine neuen Steuern für musikalische Bildung - Umsatzsteuerreform gefährdet Umsatzsteuerfreiheit des Musikunterrichtes

Der von der Bundesregierung vorgelegte „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der ElektromobilitĂ€t und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ sieht eine Neuregelung der Umsatzsteuerbefreiung fĂŒr Bildungsdienstleistungen vor. Die Änderung der bisherigen Befreiungsregelungen lĂ€sst befĂŒrchten, dass auch musikalische Bildungsangebote kĂŒnftig von zusĂ€tzlichen Steuerbelastungen betroffen sein könnten.

 

Das Bundesfinanzministerium betont in seinen bisherigen Aussagen, dass der Musikunterricht nicht von der Novellierung des Gesetzes betroffen sei, denn unter der Voraussetzung, dass hiermit auf einen Beruf vorbereitet werde, bliebe er wie in der Vergangenheit steuerfrei. Aus dem Gesetzentwurf selbst und dessen BegrĂŒndung geht dies jedoch nicht eindeutig und zweifelsfrei hervor.

 

Der Deutsche Musikrat fordert gemeinsam mit dem Verband deutscher Musikschulen, dem Bundesverband der Freien Musikschulen und dem Deutschen TonkĂŒnstlerverband von der Bundesregierung und dem Gesetzgeber, steuerliche Vorgaben der EU (vgl. Art. 312 i), j) Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie) auf nationaler Ebene so umzusetzen, dass gesamtgesellschaftliche Zielsetzungen wie „Bildung fĂŒr alle“ und „kulturelle Teilhabe“ dabei keinen Schaden nehmen oder gar auf der Strecke bleiben.

 

Hierzu Christian Höppner, GeneralsekretĂ€r des Deutschen Musikrates: „Die Angebote zur Musikalischen Bildung dĂŒrfen nicht durch die Reform zur Umsatzsteuer zusĂ€tzlich belastet werden. Die öffentlich verantwortete musikalische Bildung wie die der privaten Anbieter mĂŒssen auf breiter Ebene steuerlich begĂŒnstigt bleiben, um kulturelle Teilhabe fĂŒr alle gesellschaftlichen Gruppen zu ermöglichen. Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, den Gesetzestext entsprechend zu prĂ€zisieren.“

 

Berlin, 23. September 2019

 

Hintergrund

 

Der vom Bundeskabinett am 31. Juli 2019 beschlossene „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der ElektromobilitĂ€t und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ sieht eine Zusammenfassung der zentralen Umsatzsteuer-Befreiungsvorschriften fĂŒr Bildungsleistungen in einer verĂ€nderten Norm (§ 4 Nr. 21 Umsatzsteuergesetz (UStG)) vor. Die Bundesregierung beruft sich dabei auf EU-rechtliche Vorgaben und die Entwicklung der Rechtsprechung von EUGH und BFH, die eine Anpassung der Regelungen im Deutschen Umsatzsteuergesetz erfordern wĂŒrden.

 

Eine GesetzesĂ€nderung mit einer Verengung der bisherigen Befreiungsregelungen lĂ€sst zusĂ€tzliche Steuerbelastungen bei der Nutzung von musikalischen Bildungsangeboten befĂŒrchten, die von zahlreichen Kindern und Jugendlichen an Musikschulen wahrgenommen werden, nicht zuletzt auch aus einkommensschwachen und bildungsbenachteiligten Familien. Neue steuerliche Belastungen fĂŒr Bildungsleistungen stehen im Widerspruch zu offenen, allen Bevölkerungsgruppen zugĂ€nglichen Bildungsangeboten, die sowohl gesellschaftliches Ziel als auch Ziel der Regierungspolitik sind. Überdies stĂŒnde es auch im Gegensatz zum politischen Ziel der EU selbst, den Zugang zu nationalen Bildungssystemen möglichst offen zu halten und nicht durch steuerliche BeschrĂ€nkungen zu erschweren.

 

Das Bundesverfassungsgericht hat darauf hingewiesen, dass man bei der Frage, ob Leistungen steuerfrei oder steuerpflichtig seien, zu vernĂŒnftigen Lösungen nur komme, wenn man die Endverbraucher einbeziehe (vgl.  z. B. Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 10. November 1999, 2 BvR 2861/93, Rn. (1-19)). Systemgerecht sind danach nur solche Befreiungen, die dem Endverbraucher dienen. Dies ist der Fall, wenn die UnterrichtsgebĂŒhr fĂŒr Bildungsleistungen nicht mit Umsatzsteuer belastet ist, insbesondere bei privaten LeistungsempfĂ€ngern, die kein Recht zum Vorsteuerabzug haben.

 

Der Musikunterricht, der von öffentlichen wie privaten Musikschulen sowie privaten Musiklehrerinnen und Musiklehrern angeboten wird, droht sich durch die von der Bundesregierung geplante Änderung des Umsatzsteuergesetzes drastisch zu verteuern. Kommunale Einrichtungen, die Musikunterricht als Gegenstand der Daseinsvorsorge begreifen und bisher nicht als Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes angesehen werden, können spĂ€testens ab 01. Januar 2021 von der geplanten Änderung betroffen sein. Die daraus folgende Kostensteigerung mĂŒsste letztendlich von den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern bzw. ihren Erziehungsberechtigten getragen werden. Die Beschlussvorlage fĂŒr das Jahressteuergesetz 2019 könnte im Ergebnis zur Erhebung von 19% Umsatzsteuer auf die Leistungsangebote betroffener Musikschulen sowie der privat unterrichtenden MusikpĂ€dagoginnen und MusikpĂ€dagogen ab 01. Januar 2020 fĂŒhren. FĂŒr Kinder und Jugendliche, die an einer Musikschule, unabhĂ€ngig von der Rechtsform des Anbieters, oder bei einer Privatmusiklehrerin bzw. einem Privatmusiklehrer ein Instrument oder Singen lernen möchten, wĂŒrde sich ab 2020 die Chance dazu verringern, weil die absehbare Verteuerung um 19% von vielen Eltern nicht mehr geleistet werden kann.

Als Betreiber von Musikschulen oder auch als Privatmusiklehrerin und Privatmusiklehrer lassen sich in unserem Land keine ReichtĂŒmer verdienen. Viele arbeiten schon heute mit Ă€ußerst geringen Gewinnspannen am Existenzminimum. Wenn sich die Angebote der Musikschulen bzw. der PrivatmusikpĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen nun aufgrund des Aufschlages der Umsatzsteuer um 19% verteuern, ist ein Absterben dieser Angebote absehbar. Die Errungenschaften der Teilhabegesetze, zuletzt wurden die ZuschĂŒsse fĂŒr soziale und kulturelle AktivitĂ€ten von 10 Euro auf 15 Euro monatlich erhöht, werden durch einen Wegfall der Umsatzsteuerbefreiung neutralisiert. Im Ergebnis wĂŒrde noch mehr Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Instrumental- bzw. Vokalunterricht verwehrt.

 

DarĂŒber hinaus wĂŒrden immer mehr MusikpĂ€dagoginnen und MusikpĂ€dagogen in prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse gedrĂ€ngt. Bereits jetzt ist eine steigende Zahl von Musikerinnen und Musikern darauf angewiesen, mehrere BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse gleichzeitig einzugehen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

 

Ein weiterer Kritikpunkt an dem vorgelegten Gesetzentwurf der Bundesregierung ist die geplante Änderung des Bescheinigungsverfahrens. TrĂ€gern von Musikschulen und privaten Musiklehrerinnen und Musiklehrern ist eine klare und eindeutige Regelung an die Hand zu geben, mit Hilfe derer sie umsatzsteuerpflichtige und umsatzsteuerbefreite Angebote bzw. Veranstaltungen rechtssicher abgrenzen können. Das bisherige Bescheinigungsverfahren ist von fachlicher Ebene wie den zustĂ€ndigen Landesbehörden beizubehalten. Dies gewĂ€hrleistet, dass die erforderliche fachliche und pĂ€dagogische Qualifikation der LehrkrĂ€fte von einer sachkundigen Stelle geprĂŒft und entschieden wird. Denn es ist kaum vorstellbar, dass Finanzbeamtinnen und Finanzbeamte seriös in die Lage versetzt werden können, fĂŒr den Musikunterricht qualitative Standards zu prĂŒfen und darĂŒber zu entscheiden.

Die im Regierungsentwurf erwĂ€hnte Problematik der RĂŒckwirkung der Bescheinigungen nach § 4 Nr. 21 a) bb) UstG) besteht nicht mehr, denn diese ist gesetzlich geklĂ€rt worden (vgl. § 171 Abs. 10 Abgabenordnung). Die Erhaltung des Bescheinigungsverfahrens wĂŒrde die bisher nach § 4 Nr. 21 b) UstG vorgesehene Umsatzsteuerbefreiung fĂŒr selbstĂ€ndige Dozentinnen und Dozenten gewĂ€hrleisten. Die Bescheinigung der Landesbehörde gem. § 4 Nr. 21 a) bb) UstG wirkt in Bezug auf das Merkmal der „ordnungsgemĂ€ĂŸen“ Vorbereitung auf einen Beruf bzw. staatlichen PrĂŒfung als Grundlagenbescheid, an den die Finanzverwaltung sachgerecht gebunden ist.

 

Lesen Sie dazu auch die Stellungnahme des Verbandes deutscher Musikschulen "Keine neuen Steuern fĂŒr musikalisch-kulturelle Bildungsangebote fĂŒr Kinder und Jugendliche!" zur geplanten Neuregelung der Umsatzsteuerbefreiung von Bildungsleistungen im Gesetzentwurf der Bundesregierung:

Stellungnahme des Verbandes deutscher Musikschulen: Keine neuen Steuern fĂŒr musikalisch-kulturelle Bildungsangebote fĂŒr Kinder und Jugendliche!

 

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